Studie zu Wechselwirkungen großflächiger Einzelhandelsstandorte

Neben den großen Gewerbegebieten und Einkaufszentren in den Wiener Flächenbezirken existieren auch kleinere Zentren an der Peripherie (Fachmarktagglomerationen, kleine Einkaufszentren). Sie befinden sich in einem städtebaulich teilweise sehr heterogenen Umfeld.

Die Wiener Handelszentren stehen vor besonderen Herausforderungen: Rückzug des Einzelhandels und Rückgang der Handelsbetriebe, Digitalisierung und Onlinehandel, Rückgang der Fachmarktdichte, Bodenpreisdruck. Daneben liegt die Verkaufsflächendichte in den Wiener Flächenbezirken (10., 21., 22. Wiener Gemeindebezirk) zum Teil über der Kaufkraftentwicklung. Die Folgen sind Ineffizienz, Flächenverschwendung, Leerstände, sowie weitere unkontrollierte Entwicklung. Sachpolitische/ planerische Absicht ist daher die Heranführung an bzw. Eingliederung der peripheren Einzelhandelskonzentrationen in die gewünschte Zentrenentwicklung Wiens.

Mit der vorliegenden Studie werden folgende Ziele verfolgt:

  • Grundlagenforschung für nicht integrierte Handelsstrukturen.
  • Erhebung notwendiger Kennzahlen an exemplarisch ausgewählten Standorten zur Beurteilung der Auswirkung/Wechselwirkung zu bestehenden und gewachsenen Zentren
  • Generelle Prognosen der Kaufkraftentwicklung an den ausgewählten Standorten unter Einbeziehung wesentlicher Faktoren (z. B. Bevölkerungszuwächse, Digitalisierung, wirtschaftliche Entwicklung, Stadtentwicklungs-Projekte)
  • Aufzeigen von möglichen Entwicklungsperspektiven und -szenarien für nicht-integrierte Standorte im Sinne der polyzentralen Stadt der kurzen Wege
  • Aufzeigen von möglichen stadtstrukturellen und städtebaulichen Visionen, möglichen Transformationsprozessen im Sinne einer Rückgewinnung von Flächen für ursprünglich definierte Nutzungen
  • Vorschläge für mittelfristige und langfristige strategische Empfehlungen zum Umgang und zur Steuerung der Standorte, die nicht mit der angestrebten Stadtentwicklung und den Zentren- und Versorgungsstrukturen im Einklang stehen

Der Schwerpunkt liegt auf allgemeingültigen strategischen Empfehlungen für den generellen Umgang mit nicht-integrierten Fachmarktagglomerationen. Dadurch wird gewährleistet, dass die Aussagen auch auf andere Standorte übertragbar sind.

Werkstattverfahren Ternitz

Die Schwarzatal Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsanlagen GmbH (SAG) ist in der namensgebenden Region in Niederösterreich der größte Wohnungseigentümer. Einen erheblichen Teil, nämlich 1.600 Wohnungen ihrer insgesamt 5.000 Einheiten, besitzt sie in der Stadt Ternitz. Dort gehört ihr jede fünfte Wohnung, im Geschosswohnungsbau weit über ein Drittel. Ternitz ist mit rund 15.000 EinwohnerInnen die größte Gemeinde der Kleinregion Schwarzatal, in der rund 35.000 Menschen leben.

Die Stadt unterliegt seit den 1970er Jahren einem strukturellen Wandel. Die den Ort bestimmenden Industrieanlagen haben an wirtschaftlicher Bedeutung verloren, die Zahl der dort Beschäftigten hat abgenommen. Diese Veränderungen machen sich auch im Wohnungsbestand der Schwarzatal bemerkbar. Dieser wurde überwiegend vor 1970 errichtet und entspricht in großen Teilen nicht mehr den heutigen Ansprüchen an die Ausstattung und an den Wohnkomfort.

Bereits im Jahr 2010 wurde raum & kommunikation mit der Durchführung einer Gesamtanalyse des Standorts Ternitz sowie einer vertiefenden Betrachtung der Dreiersiedlung inkl. strategischer Empfehlungen und Entwicklungsszenarien beauftragt.

Das Werkstattverfahren

Aufbauend auf den bereits vorliegenden Ergebnissen hat die SAG im Jahr 2017 raum & kommunikation mit der Konzeption, Organisation und Durchführung sowie der Nachbereitung eines Werkstattverfahrens beauftragt. Dabei handelt es sich nicht um ein öffentliches Verfahren, sondern um einen unternehmensinternen Prozess mit dem Ziel, kreative aber gleichzeitig realistische (finanzierbare) Ideen und Handlungs- bzw. Entwicklungsoptionen sowohl für den Bestand als auch die Baulandreserven der SAG aufzuzeigen. Das Ergebnis dient als Entscheidungshilfe für das zukünftige weitere Vorgehen in Ternitz.

Im Werkstattverfahren arbeiten ExpertInnen unterschiedlicher Fachrichtungen als sog. Kreativgruppe in mehreren moderierten Kolloquien an einem gemeinsamen Ergebnis. Es gibt keine Konkurrenz und kein ‚Siegerprojekt’ o.ä. Das Werkstattverfahren wird voraussichtlich Ende April abgeschlossen. Am Ende soll ein strategischer Aktionsplan stehen, der die wichtigsten Ergebnisse des Werkstattverfahrens bündelt und um Handlungsanweisungen, Entwicklungsschritte und Prioritäten ergänzt.

Leitfaden ‚Grundlagen für kooperative Planungsverfahren‘

Aufbauend auf der Evaluierung der Wiener kooperativen Verfahren entwickelte raum & kommunikation gemeinsam mit Robert Temel einen Leitfaden für kooperative Verfahren in Wien im Auftrag der Magistratsabteilung 21 – Stadtteilplanung und Flächennutzung.

Ziel dieses Leitfadens, der als Werkstattbericht (Nr. 149) der Stadt Wien veröffentlicht wurde, ist es, den an der Abwicklung von Planungsprozessen für Stadtentwicklungsvorhaben beteiligten AkteurInnen eine Orientierungshilfe und einen Rahmen bei der Vorbereitung und qualitätsvollen Durchführung kooperativer Planungsverfahren zu bieten – insbesondere in der Phase der Schaffung städtebaulicher Konzepte und Bebauungsstudien bzw. Rahmenplanungen. Inhaltliche Schwerpunkte des Leitfadens sind die ‚13 Regeln‘, welche den Rahmen für die Vorbereitung und Abwicklung kooperativer Planungsverfahren abstecken, sowie der Verfahrensplaner (‚7 Schritte zum Verfahrenskonzept‘), welcher eine Leitlinie bei der Konzeption eines kooperativen Planungsverfahrens darstellt.